Überlegung zur Neugestaltung der Jugendarbeit

09.11.2021

Leider ist das eigentliche Anliegen von SPD, CDU und LMU, das zur Neuorganisation der Jugendarbeit in Mühlacker führen soll, angesichts der Diskussion um die Subsidiarität völlig in den Hintergrund getreten. Hier unsere Bewegrüde

Die Ausgangslage:
Schulsozialarbeit, aufsuchende Jugendsozialarbeit und Jugendhaus sind nur ein Teil der gesamten Jugendarbeit in unserer Stadt. Weitere wichtige Akteure sind die Jugendarbeit treibenden Vereine und die religiösen Gemeinschaften. Hinzu kommt eine nicht unbeträchtliche Zahl von Kinder und Jugendlichen, die nicht in irgendeiner Art und Weise organisiert sind und nicht zum Klientel der Jugendsozialarbeit gehören. Einige treffen sich an bestimmten Orten, etwa dem Skaterplatz.

Es ist zu erwarten, daß die Situation aller Kinder und Jugendlichen in den nächsten Jahren schwieriger wird. Die Gründe dafür sind: Vermehrte Armuts - und Klimamigration, Zunahme der Kinderarmut, Zunahme von bildungsfernen Elternhäuser, Vereinsamung und Individualisierung durch die "neuen Medien", .....
Ein Jugendplan für unsere Stadt liegt nicht vor. Eine mit fachlicher Kompetenz und entsprechender Zeit ausgestattete Stelle zur Vernetzung der Jugendarbeit in unserer Stadt ist nicht vorhanden. Es gibt viele Akteure, die gute Arbeit leisten, aber zum Großteil unvernetzt in ihrem eigenen Umfeld.

Das Anliegen:
Kinder und Jugendliche mit Problemen sollen weiterhin entsprechende, auch präventive Hilfen bzw. im Bereich der Schulsozialarbeit angeboten werden. Diese sollen flexibel dem Bedarf angepaßt und sowohl methodisch als auch pädagogisch weiterentwickelt werden.
Das gleiche gilt für die aufsuchende Sozialarbeit. Für beide Formen der Sozialarbeit muß eine, den kommenden Problemen angepaßte, konzeptionelle Fortschreibung erfolgen, die sich an einer gemeinsam (Sozialarbeiter, Stadt, Schulen, Kinder und Jugendliche, Eltern ...) erarbeiteten Zielsetzung orientiert. Dies ist leider bei der Arbeit der beiden Auftragnehmer (Plan B und ML) nicht zu erkennen oder wurde nicht kommuniziert.
Die Sozialarbeit ist aber, wenngleich ein wichtiger, nur ein Bestandteil der Bemühungen für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt.
Die Idee hinter dem fraktionsübergreifenden Antrag ist die Schaffung eines "Jugendplans" zur Vernetzung und Optimierung der gesamten Jugendarbeit. Dies soll durch die Schaffung der Stelle eines/r Stadtjugendpfleger*in und die Gründung eines Arbeitskreises "Jugend" unter Beteiligung der Jugendarbeit treibenden Institutionen und Vereine, der Stadt, und vor allem den Kindern und Jugendlichen, die nicht organisiert sind, umgesetzt werden.

Dabei geht es natürlich nicht um eine "Gleichschaltung" sondern im Gegenteil um eine Vernetzung der Vielfalt in unserer Stadt. Dies setzt voraus, daß die Akteure in unserer Stadt verwurzelt sind und die Bedürfnisse aller Kinder und Jugendlichen vor Ort im Auge haben.

Eine solche Art der Vernetzung bedarf einer starken Flexibilität, die nur dadurch gewährleistet werden kann, daß bei der Erarbeitung von Zielsetzungen, Absprachen, der Organisation von Projekten, sowie der Finanzausstattung kurze Wege eingehalten werden können. Dies wird schwierig, wenn freie Träger beteiligt sind, die sich in einer Konkurrenzsituation befinden, und deren inhaltliche, organisatorische und finanzielle Entscheidungswege nicht flexibel, sondern nur über den Umweg der Geschäftsleitung oder der internen Fachaufsicht von statten gehen.

Die Antragsteller sehen in Ihrer Initiative eine längst überfällige Weiterentwicklung in Richtung "Junge Stadt Mühlacker", indem die Zukunft unserer Stadt, nämlich die Kinder und Jugendlichen, gute Bedingungen für ihre Lebenswege bekommen.

Kritik:
Das Vorhaben wurde von verschiedener Seite mehr oder weniger sachlich kritisiert. Auf einige sachlichen Punkte hier eine Entgegnung:

- Die fachliche Vernetzung unter den Institutionen und Sozialarbeitern im Enzkreis wird sich durch die Übernahme der Sozialarbeit durch die Stadt Mühlacker nicht verschlechtern sondern weiter verbessern, da mit einem/r Stadtjugendpfleger*in weitere professionelle Kompetenz hinzu kommt. Wir gehen natürlich davon aus, daß bei Annahme des Antrags die Stadt Mühlacker, im Interesse der Kinder und Jugendlichen, nicht von den bestehenden Netzwerken ausgeschlossen wird.

- Die Stelle eines/r Stadtjugendpfleger*in wird inzwischen von allen an der Diskussion Beteiligten als notwendig und längst überfällig akzeptiert. Warum wurden die Kritiker nicht schon längst selbst aktiv?

- Die Finanzierung der Übernahme durch die Stadt ist nach Berechnungen der Antragsteller und externer Fachleute kostenneutral, bzw. würde sogar ein gewisses Einsparpotential enthalten. Allerdings werden die notwendigen Finanzmittel erst dann auf dem Tisch liegen, wenn ein entsprechender Jugendplan erstellt ist. Ob es dann zu Mehrkosten für eine Verbesserung kommen wird, entscheidet der Gemeinderat. Eine Verschlechterung der Situation wird es nicht geben.

- Der Übergang der Sozialarbeit von den beiden Trägern auf die Stadt wird fließend und ohne Bruch vor sich gehen. Die Kündigungsfristen werden eingehalten. Es ist mit einer zwei- bis dreijährigen Übergangsfrist zu
rechnen. Die in Mühlacker beschäftigten Sozialarbeiter können weiterbeschäftigt werden, oder sich zumindest bei der Stadt bewerben. Wir gehen davon aus, daß ein Übergang auf die Stadt im Interesse der Kinder und Jugendlichen zusammen mit Plan B und Miteinander Leben erfolgt.

- Eine Kündigung und Neuausschreibung müsste ohnehin erfolgen, da diese nach Vergaberecht schon längst überfällig ist. Eine Ausschreibung mit dem o.g. Konzept wäre sehr schwierig. Der Ausgang wäre offen. Es besteht die Gefahr, daß ein völlig fremder Träger den Zuschlag bekommen könnte.

Klemens Köberle

 

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