Unsere Friedhöfe wandeln sich – Die kommunalen Folgerungen daraus ziehen

25.02.2021

Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat sich zusammen mit Vertretern des CDU-Ortsverbandes Enzberg auf dem Friedhof und bei der Gemeindeverwaltung in Ötisheim informiert und ist überzeugt, dass dieses Modell auch auf den Friedhöfen der Stadt Mühlacker verwirklicht werden sollte, zumal es erste Anfänge auf St. Peter schon gibt.

Unsere Friedhöfe wandeln sich – Die kommunalen Folgerungen daraus ziehen


Der Gemeinderat möge beschließen,

die Stadtverwaltung wird beauftragt,

1. a) zu berichten, welche Flächen von der Stadt Mühlacker der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG (GBF) überlassen wurden, wie die Nachfrage und die weiteren Erfahrungen damit sind

1.b) zu berichten, inwieweit sie bei städtischen Investitionen auf den Friedhöfen die Folgekosten innerhalb des Abschreibungszeitraums kalkuliert und zu welchem Anteil diese über die Gebühren erwirtschaftet werden können

2. für welche Friedhöfe sie ein auf ca. 40 Jahre angelegtes Entwicklungsprogramm für notwendig hält vor dem Hintergrund einer sich ändernden Bestattungskultur, einer Veränderung des Bildes der Friedhöfe zu parkähnlichen Anlagen auch als Folge frei gewordener Flächen (zum Beispiel im alten Teil des Friedhofs Lienzingen mit der Frauenkirche), neuen Elementen wie Begegnungsstätten/Treffpunkte, wie sie zum Beispiel die Gemeinde Ötisheim im alten Teil ihres Friedhofes verwirklicht

3. Das von der Gemeinde Ötisheim umgesetzte Modell einer Zweiteilung in der Erledigung der Aufgaben generell zu übernehmen: gärtnergepflegte Grabfelder werden durch die GBF hergestellt, einheitlich gestaltet und während der Laufzeit gärtnerisch gepflegt und unterhalten. Die GBF verpflichtet sich dabei, die Grabpflege durch ihre Mitgliedsbetriebe sicher zu stellen. Der Gemeinde entstehen für die Anlegung und Pflege keine Kosten. Lediglich die Kosten der Erschließung durch Wege im Bereich des Grabfeldes sind von der Gemeinde zu tragen.

4. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, in Gespräche mit der GBF einzutreten und baldmöglichst dem Gemeinderat wieder zu berichten.

Begründung:

Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat sich zusammen mit Vertretern des CDU-Ortsverbandes Enzberg auf dem Friedhof und bei der Gemeindeverwaltung in Ötisheim informiert und ist überzeugt, dass dieses Modell auch auf den Friedhöfen der Stadt Mühlacker verwirklicht werden sollte, zumal es erste Anfänge auf St. Peter schon gibt.

Das gärtnergepflegte Grabfeld ist ein neues Grabpflegemodell. Verfügungs- und Nutzungsberechtigte haben dabei die Möglichkeit, Urnen und Särge in Gräbern zu bestatten und gleichzeitig einen Grabpflegevertrag mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG für die Laufzeit des Nutzungsrechts abzuschließen. Das Grabfeld wird durch die GBF hergestellt, einheitlich gestaltet und während der Laufzeit gärtnerisch gepflegt und unterhalten. Die GBF verpflichtet sich dabei, die Grabpflege durch ihre Mitgliedsbetriebe sicher zu stellen. Die GBF legt auch eine Gestaltungsplanung vor.

Die Grabnutzungsgebühr geht unverändert an die Friedhofsverwaltung. Bei der Gemeinde Ötisheim hat sich der Kostendeckungsgrad gewaltig verbessert. Waren es 2010 -2014 zwischen 47 und 63 Prozent, liegt sie jetzt, so die Auskunft von Bürgermeister Werner Henle, auf Fragen unserer Fraktion, in den Jahren 2015 bis 2020 etwa bei 74 – 93 Prozent, also eine Zusammenarbeit PPP, die sich für beide Seiten auszahlt, sagt Henle. Zum Vergleich: Mühlacker: 44 bis 60 Prozent (2016 – 2018).

Die Strukturen unserer Friedhöfe verändern sich so wie die Bestattungskultur allgemein. Zitat aus einer Antwort der Stadtverwaltung im Sommer 2020 auf eine Anfrage von StR Bächle: Die Flächen, die freigeräumt wurden, sollen für Bestattungsformen genutzt werden, welche einen immer größeren Zuspruch erfahren. So bestehen Überlegungen eine Urnenstele aufzustellen, wie sie auch in Kürze in Mühlhausen realisiert wird. Des Weiteren liegen uns schon Anfragen zu Urnenwiesengräber und Erdwiesengräber vor. Auch diese Art der Bestattung können wir auf den frei gewordenen Flächen umsetzen. Die Veränderungen, welche Sie in Lienzingen erkennen können, sind auch in den anderen Friedhöfen festzustellen.

Im HH2021 stehen Mittel für ein Gruppen-Urnengrabfeld in Mühlhausen. Dazu erhielt Stadtrat Wolfgang Schreiber von einer Bürgerin ein Foto über ein gärtnergepflegtes Urnengrabfeld in Freudenstadt, das gut gefällt.

Dies zeigt: Für eine Grundsatzdebatte über die Zukunftsformen ist jetzt der richtige Zeitpunkt

Der Friedhof ist ein Aushängeschild und äußerst sensibel. Urnenbestattungen sind zum Beispiel in Ötisheim der große Renner. Diese Erfahrung machen wir auch in Mühlacker.
Die Älteren haben heute die Einstellung, sie wollen den Jungen nicht zur Last fallen. Wir haben oft Anfragen, ob man nicht seine ganze Beerdigung schon vorab regeln und bezahlen könnte. Oft sind die Jungen auch nicht mehr heimatnah und dann immer aufs Grab gehen, nach dem rechten gucken – das ist heute aus der Mode, so Bürgermeister Henle.
Urnenwände sind seiner Erfahrung nach praktisch und wer es etwas mehr grün mag, sucht sich einen Platz im gärtnergepflegten Grabfeld. Ötisheim ist schon an einer Erweiterung und die Wege sollen dieses Jahr begonnen werden. Ötisheim schloss den Vertrag mit der GBF schon 2015, hat also einen großen Erfahrungsschatz. 2015 stellten die Badischen Friedhofgärtner ihr Modell auch auf der Gartenschau Enzgärten in Mühlacker vor und erhielten viel Zustimmung.

Mühlacker, den 25. Februar 2021

Günter Bächle
Fraktionsvorsitzender

 

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