25.07.2026
Stadtjugendreferentin Nathali Pavan im Gespräch mit der CDU-Gemeinderatsfraktion – „Diese Arbeit wirkt, jeden Tag“
Mühlacker. Auf Begeisterung stieß bei den Mühlacker CDU-Stadträten jetzt Nathali Pavans Plädoyer für die Kinder- und Jugendarbeit. „Diese Arbeit wirkt oft leise. Ihre Erfolge erscheinen selten in Statistiken. Niemand misst, wie viele Konflikte gar nicht erst entstanden sind, wie viele Krisen verhindert wurden und welchen Wert eine vertrauensvolle Beziehung für einen jungen Menschen hat. Und dennoch wissen wir: Diese Arbeit wirkt, jeden Tag“, sagte die Stadtjugendreferentin bei einem gemeinsamen Termin mit der CDU-Gemeinderatsfraktion im Rathausfoyer. Kommunen seien nicht verpflichtet, solche Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in dem Umfang bereitzustellen, wie es die Stadt Mühlacker tue. Und deshalb sei es keine Selbstverständlichkeit, dass eine Kommune in Kinder und Jugendliche investiert, sagte Stadtjugendreferentin Nathali Pavan, zuständig für ein 15-köpfiges Team.
„Es ist eine bewusste Entscheidung für Prävention statt Reparatur, Teilhabe statt Ausgrenzung, Demokratie, Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kurz gesagt: Eine Entscheidung für die Zukunft“, so Pavan. Denn jeder Euro, der in Kinder und Jugendliche investiert werde, sei eine Investition in die gesamte Stadtgesellschaft. Deshalb ist es nach Auffassung des Fraktionsvorsitzenden Günter Bächle auch wichtig, diese Arbeit über alle bevorstehenden Sparrunden zu hieven. CDU, LMU und SPD hätten im Jahr 2022 im Gemeinderat die kommunale mobile Jugendarbeit gegen den Widerstand von Verwaltungsspitze und einer Ratsminderheit durchgesetzt und gleichzeitig die Stelle einer Jugendreferentin geschaffen. „Wir hatten Kraft, Geduld und die Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein. Vor allem: Wir hielten Kurs. “ Wiederum Pavan sei ein Glücksfall für die mobile Jugendsozialarbeit in der Senderstadt.
Gemeinsame Anstrengungen von CDU, LMU und SPD
Die CDU-Fraktion nahm die jetzt zu Ende gehende Ausstellung zur mobilen Jugendsozialarbeit in Mühlacker im Rathaus zum Anlass für einen Rundgang und ein Gespräch mit Natali Pavan. „Einfach gesagt bin ich dafür da, mit all den Jugendarbeitsbereichen, die Interessen von Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt sichtbar zu machen und gute Rahmenbedingungen für ihr Aufwachsen zu schaffen.“ Dazu gehöre es, Angebote zu entwickeln, Projekte anzustoßen, Netzwerke aufzubauen, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und immer wieder die Frage zu stellen: „Was brauchen junge Menschen eigentlich, um sich in Mühlacker wohlzufühlen, sich gut entwickeln zu können und ihre Zukunft aktiv zu gestalten.“
Jungen Menschen eine Stimme geben
Ihre Aufgabe sei es nicht nur, Angebote für junge Menschen zu organisieren, sondern ihre Perspektiven in Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft einzubringen und ihnen eine Stimme zu geben. Wenn Menschen an Jugendarbeit denken, hätten viele zunächst bestimmte Bilder im Kopf: Jugendliche am Tischkicker, eine Couch im Jugendhaus, vielleicht eine Tasse Kaffee, Gespräche am Nachmittag. Und ja – all das gehöre auch dazu. „Doch Kinder- und Jugendarbeit ist so viel mehr.“ Hinter jedem Angebot, Projekt, hinter jedem Gespräch stecke professionelle pädagogische Arbeit, Beziehungsarbeit, Prävention, Beratung, Bildung und die Begleitung junger Menschen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben.
Menschen Orte, an denen sie willkommen sind
Kinder und Jugendliche würden heute, so Pavan, in einer Zeit aufwachsen, die von großen Herausforderungen geprägt sei. „Sie erleben gesellschaftliche Krisen, Leistungsdruck, Unsicherheiten, die Auswirkungen sozialer Medien, psychische Belastungen, familiäre Konflikte und Zukunftsängste.“ Gleichzeitig sollen sie ihren Platz in der Gesellschaft finden, Freundschaften aufbauen, Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Weg entwickeln. Das sei keine leichte Aufgabe. Deshalb bräuchten junge Menschen Orte, an denen sie willkommen seien, an denen sie ernst genommen werden. Orte, an denen sie Fehler machen dürfen. Orte, an denen jemand zuhört. „Genau solche Orte schaffen wir.“
Demokratie lernen nicht aus dem Lehrbuch, sondern durch Mitbestimmung und Mitgestaltung
Die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Mühlacker bestehe dabei aus verschiedenen Bereichen, die unterschiedliche Aufgaben hätten und dennoch ein gemeinsames Ziel verfolgten: Junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die offene Jugendarbeit schaffe Begegnungsräume. Hier könnten Jugendliche ihre Freizeit gestalten, Freundschaften pflegen, Projekte entwickeln und Beteiligung erleben. Pavan, die seit zehn Jahren in Mühlacker tätig ist: „Hier lernen sie Demokratie nicht aus dem Lehrbuch, sondern durch Mitbestimmung und Mitgestaltung. Hier entstehen Musikprojekte, Kreativangebote, Ferienprogramme, Sportangebote, Freundschaften, Veranstaltungen und unzählige Gespräche, die oft wichtiger sind als jedes geplante Programm.“
Mobile Jugendarbeit ein unverzichtbarer Baustein sozialer Infrastruktur
Denn manchmal beginne Hilfe mit einem einfachen: "Wie geht es dir eigentlich?" Die Mobile Jugendarbeit gehe noch einen Schritt weiter. Sie warte nicht darauf, dass junge Menschen zu ihr kommen. Sie gehe dorthin, wo Jugendliche sich aufhalten: Auf öffentliche Plätze, in Parks, auf Schulhöfe, in ihre Lebenswelt. Sie baue Beziehungen auf, wo andere oft nur Probleme sehen. Sie schaffe Vertrauen, vermittle in Konflikten, begleite junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen und stärke diejenigen, die häufig durchs Raster fallen. Gerade dort, wo Unterstützung oft am dringendsten gebraucht werde, sei Mobile Jugendarbeit ein unverzichtbarer Baustein sozialer Infrastruktur. Die Mobile Kindersozialarbeit richte ihren Blick auf Kinder und Familien, erkenne Herausforderungen frühzeitig, schaffe Unterstützung, bevor Probleme größer werden. Sie stärke Kinder in ihren Ressourcen, begleite Familien und vernetze Hilfen. Denn gute Entwicklungschancen entstünden dort, wo Menschen hinschauen, unterstützen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Die Schulsozialarbeit wiederum ist nach Pavans Auffassung heute ein fester Bestandteil des Schulalltags. Sie unterstütze Schülerinnen und Schüler bei persönlichen, sozialen und schulischen Herausforderungen. berate Eltern, begleite Lehrkräfte, arbeite präventiv zu Themen wie Konfliktlösung, Medienkompetenz, Gewaltprävention oder sozialem Lernen. Und oft sei sie genau die Anlaufstelle, an die sich junge Menschen wenden, wenn sie mit ihren Sorgen nicht mehr weiterwissen. „Nicht selten hören Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter Dinge, die sonst niemand erfährt. Und deshalb ist ihre Arbeit so wichtig.“
Eine ausführliche Fragerunde
So unterschiedlich diese Bereiche auch seien – sie verbinde etwas Entscheidendes: „Wir arbeiten mit Menschen. Und Menschen lassen sich nicht in Öffnungszeiten, Fallzahlen oder Projektberichte pressen.“ Manchmal bestehe erfolgreiche Jugendarbeit aus einem großen Projekt mit hundert Teilnehmenden, manchmal aus einem einzigen Gespräch. Einem Gespräch, das verhindere, dass jemand aufgebe, Mut mache und zeige: "Du bist nicht allein."
In einer ausführlichen Fragerunde ging es um Altersbegrenzung bei Handy-Nutzung, um dezentrale offene Jugendarbeit sowie um den vom ursprünglichen Zweck abweichende Jugendtreff Mühlhausen. Kindersozialarbeit solle es. neben Enzberg auf Wunsch von Stadtrat Oliver Höhner auch in Mühlhausen geben. Stadtrat Johannes Bächle griff die Diskussion in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses um einen verstärkten Einsatz der mobilen Jugendsozialarbeit in der Betreuung von Geflüchteten auf: „Geht das?“ Die „Mobile“ habe schon jetzt auch Zuspruch von Kindern aus diesem Personenkreis, aber Einzelfall-Beratung sprenge die Grenzen aus Gründen von Kapazitäten und Aufgabenstellung.