CDU: Zwangssmartphon für Bahncard-Benutzer verhindern

13.02.2024

Die Deutsche Bahn soll analoge Alternativen zum digitalen Bahncard-Erwerb per Smartphone noch für einen längeren Übergangszeitraum anbieten, um allen Kunden gerecht zu werden, fordert die CDU-Fraktion im Kreistag des Enzkreises

Enzkreis. Die Deutsche Bahn soll analoge Alternativen zum digitalen Bahncard-Erwerb per Smartphone noch für einen längeren Übergangszeitraum anbieten, um allen Kunden gerecht zu werden, fordert die CDU-Fraktion im Kreistag des Enzkreises. Sie schließt sich damit der Auffassung des Verkehrsverbundes Pforzheim/Enzkreis (VPE) an. Bei einigen Tarifen des VPE wirke in Kombination auch die BahnCard preisdämpfend. Deshalb sei von dem Radikalkurs des Bundesunternehmens auch die Kreispolitik betroffen, sagte Fraktionsvorsitzender Günter Bächle (Mühlacker). Und der Kreis solle das nicht einfach und klaglos hinnehmen.
Die CDU-Fraktion im Enzkreis griff das Thema aufgrund von Beschwerden von Bahnnutzern auf. Die Deutsche Bahn werde die Bahncard wohl nur noch für Smartphone-Besitzer anbieten. Ein Bürger aus Ötisheim wird von der Fraktion in einer Mitteilung mit der Aussage zitiert, damit diskriminiere die Bahn Millionen von Menschen in Deutschland, die kein Smartphone besitzen, vor allem Ältere und Behinderte. Man könne nur hoffen, dass die Politik und die Verbraucherschutzzentralen das nicht durchgehen lassen. „Ich finde das unverantwortlich von einem (Staats-)Konzern“, so der empörte Ötisheimer. Es sei gut (und richtig) eine digitale Bahncard anzubieten, aber doch bitte nicht als einzige Option. „Wo bleibt da das Versprechen, alle Bevölkerungsgruppen - auch die Rentner, sozial Schwache und Behinderte - mitzunehmen?“
Die CDU-Fraktion schloss sich dieser Auffassung an und sieht diese gestützt auch durch den lokalen Verbund. In der Antwort des VPE an die Fraktion heißt es, da die Bahncard kein VPE-Produkt sei, sondern ein Produkt der DB, müsse der VPE die Vorgaben der DB akzeptieren. „Die VPE-Rabatte mit BahnCard werden natürlich weiterhin angeboten“, so Yasmin Preisigke vom VPE. Doch die rasante Entwicklung im digitalen Bereich bei der Plastik-Bahncard überrasche auch den VPE, der die Herausforderung für Personen sehe, die „weniger affin für digitale Technologien sind oder kein Smartphone besitzen oder nutzen möchten“ und der deshalb eine längere Übergangsphase für angebracht hält.
Fraktionsvorsitzender Günter Bächle trug das Problem auch an den örtlichen Bundestagabgeordneten Gunther Krichbaum (CDU) heran. Grundsätzlich siehe die Unionsfraktion auch die Notwendigkeit, die Dienstleistungen des Staates – und dazu gehöre auch die Bahn – verstärkt digital anzubieten, so Krichbaum an die Kollegen aus dem Kreistag. Allerdings habe es auch die Verkehrspolitiker der Union überrascht, mit welcher Eile und Konsequenz die Bahn die Abschaffung der Plastik-Bahncard angegangen sei. „Hier wäre Gründlichkeit sicher besser als Schnelligkeit gewesen.“ Und auch die rechtzeitige Einbeziehung der verschiedenen Senioren- oder Behindertenverbände, die wissen, was ihren Mitgliedern zuzumuten ist, wäre nach Krichbaums Auffassung sicher kein Nachteil gewesen – ganz im Gegenteil.
In diesem Fall war es, so der Christdemokrat, das besondere Engagement von Bundesverkehrsminister Wissing, der die Bahn gedrängt haben soll, die Plastik-Bahncard abzuschaffen. „Es bleibt zu hoffen, dass die Bahn ihre Ankündigungen umsetzt und zumindest für eine längere Übergangszeit Alternativen zur von ihr favorisierten App-Lösung zulässt“, schreibt der Abgeordnete.
CDU-Kreisräte und Wahlkreisabgeordneter Krichbaum verweisen außerdem unisono auf die Kritik des Verkehrsclubs Deutschland und des Fahrgastverbandes Pro Bahn sowie der Verbraucherzentralen an den Plänen des Bundes und der Bahn AG, als sein Unternehmen. Gerade in diesen Zeiten sollte die Deutsche Bahn darauf bedacht sein, den Kunden weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, so der VCD. Das gelte besonders für die Stammkundschaft, die eine Bahncard besitze und öfter Zug fahre. Da verwundere es schon, dass die DB ausgerechnet jetzt ankündigt, die Bahncard solle es ab Mitte 2024 nur noch per App geben.
Die Kreistagsfraktion der Christdemokraten appelliert an die lokalen Abgeordneten der Ampel, das Zwangssmartphon für Bahncard-Benutzer zu verhindern. Die Bahn AG sei ein Bundesunternehmen, als solches in einer besonderen Verpflichtung.

 

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