CDU richtet Frageliste aus der Bürgerschaft von Großglattbach an die Stadtwerke

19.04.2024

Abstand zur Siedlungsfläche in Großglattbach am weitesten – Regionalverband zur Windhöffigkeit auf der Gesamtmarkung Mühlacker

Mühlacker. „Auch in Enzberg wehe Wind“ und trotzdem seien die gesamten der geplanten Windkraftanlagen in Großglattbach vorgesehen, sei immer wieder in dem Höhenstadtteil zu hören, schrieb der Vorsitzende der CDU-Fraktion in Stadt und Region, Günter Bächle (Mühlacker) an den Direktor des Regionalverbandes Nordschwarzwald, Sascha Klein. Der Christdemokrat hielt es für notwendig, von der Region aus auf diesen Punkt öffentlich einzugehen. Wie sehe es windmäßig auf der Gesamtmarkung Mühlacker aus und wie hoch sei die Mindestanforderung an einen geeigneten Standort.

 
Zur Leistung pro Quadratmeter windexponierter Fläche für verschiedene Windgeschwindigkeiten, schreibt Klein, für die Windhöffigkeit habe der Regionalverband die mittlere gekappte Windleistungsdichte von mindestens 215 Watt pro Quadratmeter (W/m²) in 160 Meter über Grund angesetzt. Diese Windhöffigkeit gelte als sehr gut geeignet für den wirtschaftlichen Betrieb von Windenergieanlagen und sei auch vom baden-württembergischen Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen (MLW) empfohlen worden.
Der Verbandsdirektor: „Allerdings können und werden - auch in unserer Region - Windenergieanlagen in Gebieten mit weniger als diesen 215 W/m² betrieben. Aus diesem Grund haben wir manche Vorranggebiete (VRG) auf 190 W/m² und mehr arrondiert.“ Die Modellierung der Windhöffigkeit basiere auf dem Windatlas Baden-Württemberg von 2019.


Die Windhöffigkeit in Mühlacker sei mit >215 W/m² zwischen Enzberg und Großglattbach sowie zwischen der Kernstadt Mühlacker und Lomersheim am höchsten. Als Grund, weshalb in Mühlacker nur in Großglattbach ein VRG vorgesehen ist, liege an den Ausschlusskriterien. „Insbesondere die Vorsorgeabstände zu Siedlungsbereichen fallen im Rest von Mühlacker ziemlich stark ins Gewicht.“ Zudem kämen natur- und artenschutzfachliche sowie infrastrukturelle Ausschlusskriterien hinzu.


Der im Verfahren befindliche Teilregionalplan Windkraft und das konkrete Windpark-Projekt der Stadtwerke Mühlacker an der Grenze von Großglattbach und Serres seien zwei Paar Stiefel, so Regionalrat Günter Bächle. Der Regionalverband sichere nur Flächen für die Windkraft und nehme als Maßstab die Daten aus dem Windatlas, erfülle damit einen Auftrag des Landes, er baue aber nicht. Von Beginn an sei das Verfahren öffentlich gewesen, schon die Kriterien für die Bewertung der einzelne Suchgebiete seien offengelegt worden. Eigentlich müssten die Menschen in Großglattbach dem Regionalverband dankbar sein, denn weil er in seinen Kriterien Schutzgebiete für Flora, Fauna, Habitat (FFH) als mögliche Standorte ausgeschlossen habe, kämen die Flächen zwischen Großglattbach und Dürrmenz nicht zum Zug, die Forst B-W als Standort für Windkraft an einen Investor aus Dresden vergeben habe. Die dort ursprünglich geplanten 13 Windkraft-Anlagen seien somit dem Kriterienkatalog dem Regionalverband zum Opfer gefallen.


Was bleibe, sei der Standort für vier oder fünf Anlagen der Stadtwerke im Verbund mit den Kommunalpartnern als Beitrag zur Energiewende. Die Stadtwerke seien ein kommunales Unternehmen, würden somit den Bürgern gehören, Energie und Wertschöpfung blieben vor Ort. Natürlich würden auch dazu kritische Fragen gestellt, die die Stadtwerke beantworten müssten. Bächle erhielt jetzt aus Großglattbach eine Liste von Fragen, Bedenken und Einwänden, die er an die Stadtwerke weitergab. Der Stadtrat bat darum, auf diese Punkte öffentlich einzugehen – zum Beispiel bei dem Pressegespräch am Montag oder bei der am Dienstag vom Verwaltungsausschuss des Gemeinderats auch auf Antrag der CDU beschlossenen Infoveranstaltung. „Wir müssen durch überzeugende Argumente die Positionen der Befürworter stärken.“
Die Winddaten des Regionalverbandes seien für die Stadtwerke wie für andere Investoren auch nur ein Orientierungswert. Ob der Wind in ausreichender Stärke bläst, werde ein Jahr lang real gemessen. Erst dann könne gesagt werden, ob die Anlage wirtschaftlich zu betreiben ist. „Kein Investor wird auf gut Glück und Windatlas Millionen Euro in eine solche Anlage stecken.“ Das lehre schon der gesunde Menschenverstand.




Als Hintergrund: Die Frageliste aus Großglattbach


- Einige Bürger haben das Gefühl, zu wenig Informationen durch die Stadt erhalten zu haben und empfinden es so, als wäre hier über ihren Kopf hinweg entschieden wurden. So wäre bei der ersten Informationsveranstaltung darauf hingewiesen wurden, dass eine weitere Einwohnerversammlung zum Projekt folgen wird, worauf wohl vergebens gewartet wurde.

- Warum wurde letztlich nur noch Großglattbach als Standort für die Windkraftanlagen ausgewählt und kein anderer Stadtteil? Hier entsteht das Gefühl, dass Großglattbach die vermeintliche „Last“ ungefragt allein tragen müsste. Viele Skeptiker vermuten, dass die Windgeschwindigkeiten im Ort nicht ausreichen würden (darauf zielte meine Frage in meiner letzten Mail ab, ich habe hier aber so ähnlich wie Sie argumentiert). Dieser Punkt beschäftigt die Bürger auch aufgrund der Lage Großglattbachs direkt an der Grenze zu Ludwigsburg. Im Grenzbereich zu Großglattbach würde Ludwigsburg wohl auch Windkraftanlagen planen, wodurch wir möglichweise zukünftig von Windrädern nahezu umzingelt wären.

- Des Weiteren bestehen Sorgen bezüglich der Schattenschlagdauer und der zu erwartenden Schallemission (hier bestehen auch für mich Unsicherheiten). Wie sehr werden die Windkraftanlagen unser Leben in Großglattbach tatsächlich beeinflussen durch Schattenschlag oder durch die Geräusche, welche die Windkraftanlagen verursachen? Inwieweit werden diese Geräusche in unsere Wohngebiete vordringen? Letztlich gehört auch die Unsicherheit einiger Bürger bezüglich des diskutierten Infraschalls und der zu erwartenden Feinstaubentwicklung durch Abrieb/ Verschleiß zu diesem Punkt.

- Als sehr schade und kaum hinnehmbar empfinden es fast alle Großglattbacher, mit denen ich gesprochen habe, dass für jedes der 5 Windkraftanlagen Wald abgeholzt werden muss und damit neben dem Verlust des Waldes, auch Teile eines Naherholungsgebiets, aber auch Lebensraum zahlreicher Tiere zerstört wird. Auch ich hätte mir hier als Standort der Windkraftanlagen lieber eine Freifläche gewünscht, die man hätte nutzen können, als dass Waldgebiet weichen müsste. Hier gab es keine ebenso gut gelegene Alternative, oder? Zum Thema CO2-Bindung durch Bäume im Vergleich zu einem Windkraftwerk habe ich schon interessante Artikel gelesen wie diesen hier Faktencheck Windenergie (sachsen-anhalt.de).

- Der Referent Herr Falkenberg zeigte auch auf, wie viele Baustellenfahrzeuge für den Bau der Windkraftanlagen durch den Ort fahren müssten (obwohl ihm ja gar nicht bekannt ist aus welcher Himmelsrichtung diese Großglattbach passieren werden). Auch das führte zu Unsicherheiten bei einigen Bürgern. Gibt es hier schon konkretere Pläne?

- Was passiert nach 20 Jahren mit den Anlagen? Hier wurde durch Herrn Falkenberg davon gesprochen, dass die Anlagen dann wegen der wegfallenden EEG-Vergütung abgebaut werden und Teile der Anlage dann im Boden vergraben werden. Bisher habe ich davon gelesen, dass die Anlagen natürlich auch länger betrieben werden können bzw. dann auch auf den neusten Stand gebracht werden können, wobei so viele Teile der alten Anlage wie möglich recycelt werden.

Gesamtschau Mühlacker: Wo bläst der Wind?zoom
Gesamtschau Mühlacker: Wo bläst der Wind
Quelle: Landesanstalt für Umweltzoom
Quelle: Landesanstalt für Umwelt
 

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