Enormer Alterungsprozess
Präsidentin des Statistischen Landesamts referiert beim Neujahrsempfang der Christdemokraten in Mühlacker

MÜHLACKER. Der CDU-Stadtverband Mühlacker hat gestern rund 80 Gäste bei seinem Neujahrsempfang begrüßt. Dr. Gisela Meister-Scheufelen, die Präsidentin des Statistischen Landesamts, sprach über die demografische Zeitenwende.

Zunächst ging der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands und stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Wolfgang Schreiber, kurz auf die Kommunalpolitik ein. Bei der Verabschiedung des städtischen Haushalts seien kurz vor Weihnachten Weichen gestellt worden. Die nötigen Arbeiten an Schulen und in den drei aktuellen Sanierungsgebieten sowie die Infrastrukturmaßnahmen in Bahnhofstraße und Hindenburgstraße sollten möglichst bald erledigt werden.

Doch auch Notwendiges könne nicht in jedem Fall sofort realisiert werden, bedauerte Schreiber, es sei notwendig, den Haushalt der Stadt Mühlacker zu konsolidieren.
Bei jeder Diskussion über Kindergärten, Schulen und altengerechte Wohnungen habe man mit dem Thema zu tun, das auch beim Neujahrsempfang im Mittelpunkt stand: „Die demografische Zeitenwende – Herausforderungen für Baden-Württemberg“.

Gisela Meister-Scheufelen hatte aus dem Statistischen Landesamt einige Zahlen mitgebracht, die aufmerksamen Besuchern der Bürgerversammlungen im Herbst nicht ganz neu waren. Anhand der Berechnungen bis ins Jahr 2050 verdeutlichte die Präsidentin gestern eindrucksvoll, wie tief der Wandel greifen wird. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steige von heute 41 auf etwa 49 Jahre, schon im Jahr 2030 werde jeder Dritte älter sein als 60 Jahre.

Dieser Alterungsprozess sei in diesem Ausmaß erstmals zu beobachten. Zum Vergleich zog Meister-Scheufelen Zahlen aus dem Dreißigjährigen Krieg heran: Die Bevölkerungszahl von Mühlacker sei damals von 1250 auf 50 geschrumpft.

Noch vor rund 100 Jahren, so die Statistikerin, habe das Deutsche Reich die dritthöchste Geburtenrate Europas gehabt, heute verzeichne man in Deutschland die viertniedrigste innerhalb der EU. Hätten damals sieben Erwerbstätige einen Rentner versorgt, so müssten schon heute 2,4 Erwerbstätige für einen Rentner aufkommen. Kein anderes Land habe einen so hohen Anteil an Frauen, die keinen Kinderwunsch haben. Obendrein seien kinderreiche Familien sehr selten geworden.

Neujahrsempfang der CDU Mühlacker
Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands im Pavillon der Musikschule Gutmann in Mühlacker (von rechts): Dr. Gisela Meister-Scheufelen, Wolfgang Schreiber, Günter Bächle und Hans-Jürgen Pisch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum. Fotos: Küppers

Mitgliederehrung

Im Rahmen des Neujahrsempfangs würdigte Wolfang Schreiber die zwei Mitglieder, die vor 60 Jahren an der Gründung des Stadtverbands beteiligt waren. Heinz Seemann nahm an dem Neujahrsempfang teil, der beinahe 100-jährige Paul Eberle konnte gestern nicht persönlich zu seinen Parteifreunden in den Musikschul-Pavillon Gutmann in Mühlacker kommen.

(„Pforzheimer Zeitung“ vom 16. Januar 2006)