Werbung für großes Europa
Botschafter der Europäischen Union bei CDU-Neujahrsempfang in Mühlacker: Treffen mit alten Freunden wie Günter Bächle

MÜHLACKER. Im April soll in Athen der Vertrag für die Aufnahme von zehn weiteren Nationen unterschrieben werden. "Ich werbe für dieses Europa", sagte EU-Botschafter Gerhard Sabathil der CDU in Mühlacker.

Allein 6500 Seiten soll der in 21 Sprachen formulierte Vertrag enthalten, an dem derzeit in Brüssel mit Hochdruck gearbeitet wird. Der Botschafter der Europäischen Union in Norwegen und Island, der aus Pforzheim-Eutingen stammende Karriere-Diplomat Dr. Gerhard Sabathil, trug dies den 70 Zuhörern beim CDU-Neujahrsempfang am Sonntag im kleinen Saal des Mühlehofs vor. Bei aller Begeisterung für den europäischen Einigungsprozess, der vor 50 Jahren noch als Utopie bezeichnet worden wäre, war Sabathil ebenso selbstkritisch. "Wir müssen Europa mehr an seine Bürger heranbringen", mahnte er vor den aufmerksam lauschenden Zuhörern, darunter Landtagsabgeordneter Winfried Scheuermann, Gymnasiums-Schulleiter Thomas Mühlbayer, Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle und Ehren-Kreislandwirt Walter Schmierer.

Die Diskussion um die Werte einer europäischen Verfassung müsse den Eindruck der Bürger von einer wuchernden Brüsseler Bürokratie beiseite schieben. Immerhin werde die Europäische Union mit der Osterweiterung um 80 auf 460 Millionen Einwohner steigen, sie werde konfessionell und hinsichtlich der unterschiedlichen Volksgruppen viel bunter werden. "Auch politisch rückt Europa nach links", stellte Sabathil fest. "Jedes Mitgliedsland muss seine Hausaufgaben machen", mahnte er gegenüber seinem Heimatland eine stärkere Integration von Ausländern in die Gesellschaft an. "Hier hat Deutschland einen großen Nachholbedarf gegenüber anderen Nationen in der Europäischen Union", stellte er fest. Außerdem sei die Liberalisierung der Energiewirtschaft in der Bundesrepublik nur durch die Impulse aus der Europäischen Union in Gang gekommen. Mehrere Nationen, die zum Beitritt in die Europäische Union eingeladen werden, sind nach seiner Einschätzung dennoch "Wackelkandidaten". So könnten die Volksabstimmungen in Estland und auf Malta auch mit einem Nein zum EU-Beitritt enden. In Polen sei es möglich, dass die Volksabstimmung das Pflichtquorum einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent nicht erreiche.

Wurzeln in regionaler Union
In Ungarn sei hingegen mit einer Zustimmung von knapp 80 Prozent für den Beitritt des Landes zur Europäischen Union zu rechnen. Außerdem will laut Sabathil Kroatien im Frühjahr einen Beitrittsantrag in Brüssel stellen. Der Botschafter der Europäischen Union in Oslo hatte auf dem Weg von Prag nach Norwegen bei einem Schulfreund in Grunbach übernachtet. Der alte politische Freund Günter Bächle, der mit dem Eutinger Sabathil gemeinsam im Kreisvorstand der Jungen Union saß, hatte ihn für den Auftritt in Mühlacker gewinnen können. "Ich habe 1972 am Kepler-Gymnasium in Pforzheim mein Abitur gemacht", sagte der Diplomat zur PZ. Der damalige CDU-Kreisvorsitzende Fritz Wurster habe ihn in die Union geholt. In der Jungen Union seien neben Günter Bächle der heutige Pforzheimer Rathaus-Vize Matthias Wittwer sowie die schon verstorbenen CDU-Größen Lutz Stavenhagen und Siegbert Frank seine Mitstreiter gewesen. Er habe einmal sogar für den Kreisvorsitz der CDU-Nachwuchsorganisation kandidiert, in der Abstimmung verloren. Mühlackers CDU-Stadtverbandsvorsitzender Wolfgang Schreiber kündigte ein "außerordentlich schwieriges Jahr 2003" an.


Erstellt von: Horst Pieper, Pforzheimer Zeitung, 07.01.2003 (http://www.pz-news.de/muehlacker/19862/index.html)