Landratsamt sieht in Krötentunneln keine Geldverschwendung
 
Antwort auf CDU-Anfrage: Anlagen werden regelmäßig kontrolliert – Probleme in Ersingen und Corres ein – Mindestens 855.000 Euro für Amphibienanlagen investiert
 
Enzkreis. Die Kritik von Rechnungshof Baden-Württemberg und Steuerzahlerbund an angeblicher Geldverschwendung der öffentlichen Hand durch den Bau von Krötentunneln an Straßen wird vom Landratsamt Enzkreis nicht geteilt. Das ergibt eine Antwort der Kreisverwaltung auf eine Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Kreisrat Günter Bächle (Mühlacker). Landrat Karl Röckinger: Die Krötentunnel an Kreisstraßen würden regelmäßig kontrolliert und gewartet. Das geschehe durch Naturschutzbehörde und Straßenbaumeistereien Hand in Hand und unbürokratisch. Allerdings werden auch Probleme eingeräumt.
 
Der Christdemokrat hatte in seiner Anfrage ans Landratsamt die Kritik des Rechnungshof aufgegriffen, da auch im Enzkreis mehrere Krötentunnel geschaffen worden sind. Die obersten Prüfer im Landes hatten  den Bau von Krötentunneln als Geldverschwendung bezeichnet: Bauliche Mängel, mangelnde Pflege der Anlagen, zugemüllte Tunneleingänge und Laufwege waren festgestellt worden. Naturschützer zeigten nach Auffassung des Rechnungshofes kein Interesse an einer Erfolgskontrolle; die Straßenbaubehörden zielten nur darauf ab, die Naturschutzbehörden zu beruhigen. Diese Kritik hat jetzt der Bund der Steuerzahler aufgegriffen und ihm in seinem Schwarzbuch über Geldverschwendung öffentlicher Hand ein eigenes Kapitel gewidmet, heißt es in einer Pressemitteilung der CDU-Kreistagsfraktion.
 
In den vergangenen Jahren gaben, wie die Kreisverwaltung in der Antwort auf die Bächle-Anfrage auflistete,  Kreis und Land für den Bau von Krötentunneln an sechs Straßen im Enzkreis mindestens 855.000 Euro aus: an den Kreisstraßen zwischen Maulbronn und Schmie, Knittlingen und Freudenstein, Corres und Ötisheim, Zaisersweiher und Diefenbach, Wurmberg und Neubärental, bei Ersingen sowie zwischen Keltern und Dietenhausen.
 
Diese stationären Amphibienschutzanlagen würden im Enzkreis regelmäßig kontrolliert und eventuell auftretende Mängel mit der Verkehrsverwaltung besprochen.  In der Vergangenheit seien verstärkt die Anlagen in Ersingen und bei Corres – beide an Kreisstraßen – betreut worden.  Die Straßenmeistereien Maulbronn und Pforzheim würden jedes Spätjahr die Krötentunnel von Bewuchs befreien und die Durchgängigkeit der Durchlässe kontrollieren. Dazu gehörten auch Mäharbeiten in den angrenzenden Bereichen. Die Kosten lägen bei 4000 Euro jährlich. Damit allein, so die Kreisverwaltung, sei es aber nicht getan. Aufgetretene Fugen zwischen den Leitsteinen müssten mit dauerelastischem Material verschlossen oder verschobene Leitsteine neu ausgerichtet werden.
 
Um die Wirksamkeit von Krötentunneln zu überprüfen und die Funktion der Durchlässe zu bestätigen, plane das Umweltamt beim Landkreis für die Ersinger Anlage an der Kreisstraße 4538 eine mehrtägige Überwachung während der Hauptwanderzeit der Amphibien. Für diese Anlage sei Ende 2005 eine Bestandsaufnahme und fachliche Beurteilung durch ein Ingenieurbüro im Auftrag des Landratsamtes erstellt worden. Denn 2001 seien die ersten Mängel am Krötentunnel festgestellt worden, seit diesem Jahr lägen Vorschläge zur Sanierung vor, um die Durchgänge wieder voll funktionsfähig zu machen. Probleme habe es auch an der Anlage im Corres gegeben, doch diese seien von den Straßenmeisterei Maulbronn in den vergangenen Wochen behoben worden.
 
In diesem Zusammenhang weist das Landratsamt auch darauf hin, dass schon 2003 ein Seminar für die Mitarbeiter der Straßenmeistereien stattfand, um „ihnen die Hintergründe für den Amphibienschutz nahe zu bringen“. Durch die Zusammenführung von Naturschutz und Straßenbauämtern in den Landratsämtern ergaben sich, so Verkehrsamtsleiter Wolfgang Rittmann, Synergieeffekte. Auch hierbei habe die Verwaltungsreform Vorteile gezeigt.
 
(06.10.2006)