CDU-Kreistagsfraktion besuchte Kreisberufsschulen in Mühlacker:
 
Trend zu Vollzeitschülern – Wer keinen Ausbildungsplatz erhält, parkt in der
Berufsschule
 
Mühlacker. Ein Trend zu Vollzeitschülern ist an den beiden Berufsschulen des Enzkreises in Mühlacker festzustellen. Dies zeigte sich bei einem Besuch der CDU-Kreistagsfraktion in diesen Einrichtungen. „Die Berufsschulen haben auch weiterhin unsere Unterstützung", sagte Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Winfried Scheuermann (Illingen).
 
„Bei der Ausstattung brennt uns im Augenblick nichts unter den Nägeln", sagten Eckehard Kugler, Leiter der Georg-Kerschensteiner-Schule, und Martin Gegner, Abteilungsleiter Berufskolleg. Auch mit der Raumausstattung sei die kaufmännische Berufsschule zufrieden. Allerdings stehe die Heizungssanierung an.
 
Seit 1973 sei die Zahl der Teilzeit-Schüler - schullische Ausbildung parallel zur betrieblichen – im kaufmännischen Bereich rückläufig, die der Vollzeitschüler steigend. Dies sei eine Folge des Mangels an Ausbildungsplätzen. Junge Leute parkten in den Vollzeitschulen. Derzeit sind es 357 Vollzeit- und 185 Teilzeitschüler. Kugler: „Wir leben noch vom Run auf Berufe mit weißen Kragen." Der Vollzeitbereich borde über, das Land deckle die Zahl der Vollzeitklassen aus finanziellen Gründen. Wichtig sei es, flexibel auf neue Berufsbilder zu reagieren. So laufe derzeit der Antrag für eine Klasse „Fachkraft für Kurierexpress und Postdienstleistungen".  
 
Auch im gewerblichen Teil steige die Zahl der Vollzeitschüler, doch machten sie bisher nur ein Drittel der insgesamt 870 Schüler aus, sagte Hans Wagner, Leiter der Ferdinand-Steinbeis-Schule. Die Zahl der Schüler in den Berufsvorbereitungsjahren habe sich in den vergangenen elf Jahren in
Pforzheim und dem Enzkreis verdoppelt. Momentan wisse niemand genau, ob der Abbau der Teilzeit-Klassen anhalte. Dies hänge auch, so Wagner, von der wirtschaftlichen Entwicklung ab: „Mehr Arbeitsplätze bedeuten auch mehr Ausbildungsplätze und im dualen System mehr Teilzeitschüler."
 
Die Ausstattung der gewerblichen Schule müsse auf einer Höhe sein mit denen der Ausbildungsunternehmen sein. „Das bedeutet:: Wir müssen auf den Stand der industriellen Produktion sein." 2005 solle eine der beiden Friseur-Werkstätten erneuert sowie eine Fräsmaschine und ein CNC-Langdrehautomat angeschafft werden.
 
Auf Fragen von Kreisräten sagten die Vertreter der Schulen, erst nach dem Jahr 2012 sei insgesamt mit einem Rückgang der Schülerzahl der Berufsschulen zu rechnen. Auf die Frage von Winfried Scheuermann, ob vor dem Hintergrund der Diskussionen um die Alfons-Kern-Berufsschule in Pforzheim – Sanierung oder Neubau – ein Teil von Klassen nach Mühlacker verlagert werden könnte, sagten die Schulleiter, dann müsse auch am Standort Mühlacker gebaut werden. Dazu reichten die vorhandenen Räume nicht aus. Scheuermann: „Sollte der Enzkreis sein Geld nicht lieber vorrangig in die Stärkung des Berufsschul-Standorts Mühlacker stecken?" Kreisrat Gerhard Gindele (Neuhausen) meinte zu solchen Gedankenspielen, man müsse auch die zentrale Lage Pforzheims für einen Teil des Enzkreises sehen.
 
Der Sprecher der Fraktion im Sozial-, Schul- und Kulturausschuss des Kreistags, Kreisrat Günter Bächle (Mühlacker) ging auf die Parkplatznöte im Bereich der Berufsschulen ein, die sich selbst noch in der Eckenweiherstraße auswirkten, und wollte wissen, wie der neue Stadtbahnhaltepunkt am Rösslesweg von den Schülern angenommen werde. Die Schulleiter sagten, der Haltepunkt werde gut frequentiert. Die Schule werbe auch dafür, mit der Bahn statt mit dem eigenen Auto zum Unterricht zu kommen.
 
(30.11.2004)