Biomüll in Restmülltonnen: Teurer und klimaschädlicher
Enzkreis könnte bei einer sauberen Trennung mehrere hunderttausend Euro im Jahr sparen – Landrat antwortet auf CDU-Anfrage: 2009 eine Werbekampagne
 
 
Enzkreis. Noch zuviel Bioabfälle landen im Enzkreis in den Restmülltonnen. Das ergab die Antwort von Landrat Karl Röckinger auf eine Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Günter Bächle (Mühlacker). Eine striktere Trennung entlaste nicht nur den Geldbeutel, sondern auch das Klima. Der Landrat kündigte für 2009 eine Werbekampagne an, die das Ziel hat, dass mehr Bioabfälle in die braunen und nicht in die schwarzen Behälter wandert.
 
In seiner Anfrage ging der Mühlacker Kreisrat Günter Bächle der Frage nach, ob durch Fehlwürfe nicht zusätzliche Kosten entstehen, um die eigentlich die Müllgebühren entlastet werden könnten. Denn die Entsorgung einer Tonne Restmüll koste etwa 223 Euro, einer Tonne Biomüll etwa 172 Euro.  Hinzu komme, dass  Biomüll durch den Wassergehalt in der Regel schwerer sei als reiner Restmüll.
 
Die Senkung des Biomüllanteils im Restmüll von derzeit 20 Prozent auf einen sehr anspruchsvollen Anteil von nur noch fünf Prozent würde bei einem geschätzten Restmüllaufkommen von 30.290 Tonne im Jahr diese Menge um rund 4500 Tonnen reduzieren, so der Landrat in seiner Antwort. „Bezogen auf die reinen Entsorgungskosten hätten wir weniger Ausgaben aufgrund der sich bei Mengensteigerungen vertragsgemäß auf cirka die Hälfte reduzierten Verarbeitungskosten des Biomülls von 486.000 Euro.“
 
Berücksichtige man auch die zu erwartenden Veränderungen bei den Leerungsbeträgen, also die Zusatzeinnahmen durch mehr oder häufiger geleerte Biotonnen sowie die Einnahmeausfälle bei den weniger geleerten Restmülltonnen, so errechne sich ein Einnahmeausfall von 155.000 Euro. Bei einer Verlagerung der organischen Abfälle aus dem Restmüll in den Biomüll würde sich, wie die Kreisverwaltung errechnete, somit eine Entlastung von rund 331.000 Euro ergeben.
 
Konkret würden sich durch die Nutzung einer Biotonne für einen durchschnittlichen Drei-Personenhaushalt, der alle seine Abfälle zuvor über die Restmülltonne entsorgt hat, die Müllgebühren um cirka 20 Euro verringern. Der Einsparbetrag sei stark abhängig vom individuellen Bioabfall- und Restmüllaufkommen. Die dieser Berechnung zugrundeliegenden Entsorgungsverträge des Enzkreises mit Unternehmen liefen Ende 2010 aus, durch eine Neuausschreibung könnten möglicherweise günstigere Konditionen erreicht werden.
 
Die 2009 geplante Werbekampagne solle die Enzkreisbewohner für die Trennpflicht sensibilisieren und als Nebeneffekt die Biomüllmenge erhöht werden. Neben reinen finanziellen Überlegungen dürfe aber auch die ökologische Bedeutung der Bioabfallkompostierung im Vergleich zur Abfallverbrennung nicht außer Acht gelassen werden, so Röckinger.
 
Sowohl bei der Kompostierung als auch bei der Abfallverbrennung würden organische Stoffe in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. Während jedoch bei der Abfallverbrennung alle organischen Inhaltsstoffe in CO2 und H2O sowie weitere Gase zerlegt würden, werde bei der Kompostierung nur ein Teil der Ausgangsmasse als CO2 und H2O in die Atmosphäre abgegeben. Der Landrat : „Die Kompostierung bindet also Kohlenstoff durch Mikroorganismen und Invertebraten (Wirbellose, zum Beispiel Würmer), indem das organische Material in Huminstoffe umgewandelt wird.“  Der daraus entstehende Humus könne so Kohlenstoff für Perioden von über 1000 Jahren im Boden festlegen, diene damit als Kohlenstoffsenke und biete große Vorteile bei der Bodenverbesserung. Vom Standpunkt des Klimaschutzes sei es daher günstiger, Bioabfälle zu kompostieren als zu verbrennen.
 
(21.01.2009)