Einwohnerschwund in Mühlacker: unter 26.000-Einwohner-Schwelle  – Auch weniger Ausländer – Differenzen zwischen den Zahlen des Statistischen Landesamtes und denen der Stadtverwaltung
 
Mühlacker. Erhebliche Differenzen zwischen den Einwohnerzahlen, wie sie vom tatistischen Landesamt Baden-Württemberg genannt werden, und der Fortschreibung durch die Stadtverwaltung Mühlacker hat das Rathaus jetzt eingeräumt. Dies betrifft auch den Ausländeranteil, wie die Antwort auf eine Anfrage des Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion, Stadtrat Günter Bächle, ergab. Er hatte die Verwaltung um Auskunft darüber gebeten, ob der Ausländeranteil in Mühlacker zwischen 2002 und 2006 wirklich um sechs Prozent zurückgegangen ist, wie es das Statistische Landesamt ausweise.
 
Nach Angaben der Stadtverwaltung fielen die Einwohnerzahlen in den vergangenen sechs Monaten in der Landes-Statistik immer höher aus als in der Rathaus-eigenen Fortschreibung. Die Differenz bewegte sich zwischen 121 und 207 Personen jährlich. Bei den Ausländerzahlen machte der Unterschied teilweise bis zu 1300 Personen im Jahr aus. Nach dem Statistischen Landesamt, so gibt die CDU-Gemeinderatsfraktion in einer Pressemitteilung wider, hatte Mühlacker einschließlich 2006 noch knapp mehr als 26.000 Einwohner, nach der Fortschreibung der Stadtverwaltung liegt die Stadt bereits seit 2005 unter der 26.000-Einwohner-Schwelle.
 
Beim Ausländeranteil sei diese Differenz in den Jahren 2002 und 2001 sehr auffallend. „Im Jahr 2003  wurden beim  Statistischen Landesamt  1200 Ausländer  weniger registriert als 2002. Der Ausländeranteil Mühlackers fiel in diesem Zeitraum um 4,6 Prozent auf 19,1 Prozent“, so die Stadtverwaltung in der Antwort an den CDU-Fraktionssprecher. Eine jetzt erfolgte Nachfrage beim Statistischen Landesamt habe ergeben, 2002 sei - im Zuge der Umstellung des Statistikabgleichs mit dem Statistischen Landesamt von Papierform auf elektronische Datenverarbeitung - bemerkt worden, dass in den vorangegangenen 10  bis 15 Jahren die Einbürgerungen beim Statistischen Landesamt nicht erfasst worden wa­ren. In den Zahlen der Stadt seien sie aber berücksichtigt gewesen. Daraus resultierten die starken Unterschiede. „Die Einbürgerungen wurden bei anderen Kommunen vom Rechenzentrum automatisch übermittelt, von Mühlacker, das seinerzeit noch nicht ans Rechenzentrum angeschlossen war,  jedoch nicht.“ Als das Landesamt diesen Fehler bemerkt habe, seien die gesamten Nachmeldungen von über 1000 Einbürgerungen in einem Jahr ( 2003 ) abgezogen worden. Hieraus resultiere der extreme statistische Rückgang des Ausländeranteils in diesem einen Jahr.
 
Die eigene Fortschreibung der Stadtverwaltung ergab nach deren Auskunft demgegenüber einen nahezu gleichmäßigen Rückgang von etwas über 100 Ausländern pro Jahr. Der etwas stärkere Rückgang zwischen den Jahren  2004 und 2005  sei hauptsächlich auf die Schließung der Sammelunterkunft für Asylbewerber im Jahr 2005 zurück zu führen, bei der nahezu 100 Ausländer in anderen Gemeinden untergebracht worden seien. Nach den Zahlen der Stadtverwaltung hatte Mühlacker von 2001 bis 2006 einen Schwund von 123 Einwohnern auf 25.913, die Zahl der Ausländer ging im selben Zeitraum um 529 auf 4530 zurück. Im Jahr 2003 verzeichnete Mühlacker, so die Stadtverwaltung in der eigenen Erhebung, mit 26.184 die bisher höchste Einwohnerzahl, nach dem Statistischen Landesamt war der Rekord mit 26.362 im Jahr 2003.
 
Aus diesen Zahlen zieht der CDU-Fraktionsvorsitzende die Folgerungen, dass dem schon vorhandenen Einwohnerschwund entgegengesteuert werden müsse. Denn sonst hätten immer weniger Einwohner die vorhandene Infrastruktur zu finanzieren. Wichtig sei, dass Mühlacker seine Wohnqualität erhöhe und aktive für sich als Stadt zum Wohnen werbe.
 
(31.10.2007)